Der Einfluss der Digital-Kreativen auf das Büro von morgen

 
 

Neo-Ökologie und neues Wir-Gefühl

Die neue, wachsende Gruppe von Konsumenten, Unternehmern und Kreativen, welche den Sinn des Lebens und der Arbeit stets an der Schnittstelle von Vernetzung, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein definieren und für andere soziografischen Cluster oftmals Prägungskraft besitzen, orientiert sich bei ihren individuellen, wie auch unternehmerischen Entscheidungen nicht mehr nur an den eigenen Bedürfnissen, welche ihrem hoch-frequenten, ortsunabhängigen und digital geprägten Leben zugute kommen bzw. entsprechen sollen. Vielmehr suchen sie bei den Marken und Unternehmen, denen sie vertrauen, nach einem werte-basierten Fit mit ihrem eigenen Mindset, welches in erheblichem Maße über ihre individuellen und intrinsischen Interessen hinausgeht. Diese Zielgruppe will nicht mehr lediglich mobil und unabhängig sein und konsumieren, sondern sie hinterfragt die Herkunft der Produkte und die Nachhaltigkeit der Anbieter und will proaktiv an ihrem lokalen Umfeld und ihrer Community teilnehmen. Gerade dieser erweitere Fokus, die Suche nach einem “Wir-Gefühl” in einer höchst individualisierten Welt und die veränderte Wahrnehmung von Arbeit und ökonomischem Erfolg, ermöglicht die Balance zu einem Lebensstil, der kritisch als rastlos bezeichnet werden könnte, bei genauerem Hinsehen aber ein wachsendes Bedürfnis nach Substanz und Nachhaltigkeit beinhaltet.

Neue Produkte und Marken

Es sind diese Digital-Kreativen, die einen visuellen Code der Relevanz definiert haben, dem sich die letztliche Funktion nicht unterordnet, in der Wahrnehmung allerdings überhaupt erst die Möglichkeit der Ansprache einer gewissen, mit entsprechendem Budget ausgestatteten Zielgruppe zulässt. Statt strikter Corporate Identity und eindimensionaler Markenführung, suchen sie nach Identifikation auf kultureller Ebene und wollen in einen bidirektionalen, partizipativen Gestaltungsprozess und Austausch einbezogen werden. So verschwimmen die Rollen zwischen Anbieter und Kunde zunehmend. Es kommt zu elastischen Marken, welche in Zukunft über Erfolg und Misserfolg von Unternehmen entscheiden werden.

Verbindung von physischen und digitalen Spaces

Im Hinblick auf ihre strategischen und langfristigen Entscheidungen spielen für die Digital-Kreativen grundlegende Elemente im Hinblick auf Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und neo-ökologische Ansprüche eine immer wichtigere Rolle. Sie stehen als wirtschaftliche und soziale High-Performer damit bewusst als zwischen den Modernisten und Konservativen. Wenn sich Unternehmer und Organisationen mit einem solchen Mindset auf die Suche nach neuen Arbeitswelten und Büroflächen begeben, steht die rein funktionale Erfordernis nicht mehr im Zentrum der alleinigen Aufmerksamkeit. Wer auf Anbieter- und Entwicklerseite Orte zu Destinationen und lokalen Marken positionieren möchte, muss die genannten veränderten Parameter berücksichtigen und proaktiv gestalten. Ziel muss es werden, Orte für Kreativität, Teamplay, Austausch und Inspiration zu gestalten und dabei insbesondere den Charakter der jeweiligen Destination authentisch erlebbar machen. Gleichzeitig kommt der Notwenigkeit der Smartness in Gebäuden, der individuellen räumlichen Gestaltung, dem Design, aber auch der gekonnten Verbindung von physischen Orten mit digitaler Vernetzung hohe Wichtigkeit zu. So entsteht echte Agilität und die Fähigkeit, hoch responsive Räume zu gestalten.

 
Martin Egner